Chirurgische Gemeinschaftspraxis Leverkusen
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Leistenbruch (Leistenhernie)

Zusammenfassung

Der Leistenbruch ist eine häufige Erkrankung, die überwiegend Männer betrifft (Geschlechterverhältnis Mann zu Frau = 8:1; ca. 200.000 Operationen pro Jahr in Deutschland). Er ist nur durch eine Operation dauerhaft zu beseitigen. Daher ist bei Leistenbrüchen grundsätzlich eine Operation gerechtfertigt. Nur in den seltenen Fällen, in denen schwerwiegende Gründe gegen eine Operation sprechen, kann man auf die konservative Therapie zurückgreifen. Diese führt  allerdings nie zu einer Heilung und kann bestenfalls nur Symptome lindern. Heutzutage stehen verschiedene operative Methoden zur Beseitigung eines Leistenbruches zur Verfügung, die alle zu guten Ergebnissen führen und eine individuelle, maßgeschneiderte Versorgung der Patienten erlauben. Es haben sich dabei die Techniken mit Verwendung von Kunststoff­netzen durchgesetzt. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile, daher muss die Wahl der Methode ganz individuell erfolgen. Wir können Ihnen das gesamte Spektrum der Leistenbruchversorgung anbieten, sei es unter in der Regel ambulanten oder auch stationären Bedingungen. Eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Gespräch lassen dann die für Sie am besten geeignete Methode festlegen.

Details

 

 Was ist ein Leistenbruch?

 

Unter Leistenbruch versteht man die Situation, bei der Eingeweide (meist Darm) aus dem Bauchinnenraum durch die Lücke des Leistenkanals in der Bauchwand nach außen und somit unter die Haut treten. Der Bruchinhalt (also z.B. Darm) bricht somit durch die Bauchdecke hervor, daher der Begriff – es hat nichts mit Knochenbruch zu tun, wie häufig mißverständlich angenommen. Der Fachbegriff ist Leistenhernie.

 

 

Wodurch entsteht ein Leistenbruch?

 

Lassen Sie uns vorweg mit einem Mythos, der sich um den Leistenbruch rankt und sogar in seriösen Lehrbüchern zu finden ist, aufräumen: Der Leistenbruch entsteht nicht durch schwere Arbeit, wiederholtes schweres Heben, Prellungen der Leistengegend oder gar durch das einmalige Überbelasten der Bauchmuskulatur! All diese Dinge können einen bereits bestehenden und bisher unbemerkten Leistenbruch offen legen, sie verursachen ihn aber nicht. Sonst müsste jeder Bauarbeiter einen Leistenbruch haben und bei Angestellten mit Schreibtischtätigkeit der Leistenbruch eine Seltenheit sein. Beides ist nicht der Fall.

 

Die Ursache der Leistenbruchentstehung kann allgemein als Missverhältnis der Stabilität in der Bauchdecke und dem Bauchinnendruck beschrieben werden. Ohnehin muss die Bauchdecke wegen unseres aufrechten Ganges dem Druck der Eingeweide nach unten hin standhalten. Gerade in den unteren Bereichen der Bauchdecke findet sich aber die natürliche Schwachstelle des Leistenkanals, der diese durchsetzt bzw. durchbricht und die Verbindung vom Bauchinnenraum nach außen schafft. Diese Verbindung ist insbesondere beim Mann nötig, damit die Hoden, die sich ja ursprünglich innerhalb des Bauches befanden, in den Hodensack gleiten können, wenn sich das Kind im Mutterleib entwickelt. Gibt das Gewebe hier in seiner Festigkeit nach (Bindegewebsschwäche – angeboren oder altersbedingt), so können neben dem Samenstrang zum Hoden auch weitere Eingeweide durch den Leistenkanal nach außen drängen. Begünstigt wird die Entstehung durch Begleiterkrankungen, die den Druck im Bauchinnenraum steigern, wie z.B. die chronische Verstopfung mit starkem Pressen beim Stuhlgang über Jahre hinweg. Bauchwasser (Aszites) bei verschiedenen Erkrankungen, chronischer Husten, erhebliches Übergewicht sind hier ebenfalls zu nennen.

 

 

Wie äußert sich ein Leistenbruch?

 

Die Vorwölbung (Beule) in der Leiste ist das führende Krank­heitszeichen. Es können sich ein Fremdkörpergefühl oder Missempfindungen hinzugesellen. Schmerzen sind eher selten. Wenn sie akut auftreten, sind sie eher Zeichen einer Einklemmung, die sofortiger Behandlung bedarf.

 

 

Wie stellt man einen Leistenbruch fest?

 

Häufig ist die Diagnose eines Leistenbruchs durch die typische Vorwölbung in der Leiste augenscheinlich. Je nach Größe kann er sogar bereits die Unterwäsche vorwölben oder eine Vergrößerung des Hodensackes hervorrufen. Kleinere Brüche kann der erfahrene Chirurg durch die Untersuchung der Leiste und dem sogenannten Hustentest entdecken. Nur in den seltenen Fällen, wo die körperliche Untersuchung kein eindeutiges Ergebnis liefert und weiter der Verdacht auf einen Leistenbruch besteht, werden weiterführende Untersuchungen mit Ultraschall oder MRT eingesetzt.

 

 

 Welche Risiken birgt ein Leistenbruch?

 

Die Einklemmung des Bruches ist das Hauptrisiko beim Leistenbruch. Bei einer Einklemmung können die nach außen getretenen Bruchinhalte (also z.B. Darm) nicht mehr zurück in die Bauchhöhle gleiten, und verklemmen sich in ihrer Position, was zur Abschnürung und damit zur Durchblutungsstörung führen kann. Dementsprechend treten dann deutliche Schmerzen in der Leistengegend auf und mit fortschreitendem Krankheitsbild auch die Zeichen eines Darmverschlusses. Die Vorwölbung des Bruches lässt sich dann nicht mehr zurückschieben. Kommt es zu dieser Komplikation, muss rasch gehandelt werden. Häufig lässt sich die Einklemmung durch Manipulation wieder aufheben. Gelingt das nicht, muss eine Notoperation erfolgen.

 

Die Häufigkeit der Einklemmung wird aber wahrscheinlich überschätzt. Sie ist insgesamt ein relativ seltenes Ereignis (laut einer amerikanischen Studie ca. 0,3%). Daher sollte dieses Risiko nicht als Angstmacher genommen werden, um eine Operation zu indizieren.

 

 

Wie behandelt man einen Leistenbruch?

 

Leistenbrüche lassen sich nur durch eine Operation dauerhaft beseitigen. Somit sollte jeder Leistenbruch auch einer operativen Therapie zugeführt werden. Nur bei schwerwie­genden Gründen, die gegen eine Operation sprechen, sollte ausnahmsweise konservativ verfahren werden.

 

1. Konservativ (= keine Operation):

 

Sofern keine nennenswerten Beschwerden bestehen sollten gar keine Maßnahmen ergrif­fen werden – sogenanntes beobachtendes Abwarten (watchful waiting). Nur bei sehr störender Vorwölbung kann eine Versorgung mit Bruchband hilf­reich sein, sofern eine Operation wirklich aus Gründen der allgemeinen Inoperabilität nicht möglich ist. Dabei ist zu bedenken, dass ein Bruchband keinen ausreichenden Schutz vor einer Einklemmung bietet, Druckschäden an der Haut und der Bauchdecke verursachen kann und mit Sicherheit den Leistenbruch nicht heilt. Daher ist das Bruchband nur als Not­lösung für den Patienten zu sehen, der allgemein so schwer krank ist, dass eine Operation nicht möglich erscheint. Das dürfte höchstens 1% aller Bruchkranken sein. 90 000 Bruch­bandverordnungen pro Jahr in Deutschland zeigen, dass viele Patienten mit Leistenbrüch­en nicht die beste zur Verfügung stehende Therapie bekommen.

 

2. Operativ

 

Die operative Beseitigung des Leistenbruchs ist die Behandlung der Wahl. Durch die Möglichkeit in örtlicher Betäubung zu operieren, sind selbst Patienten behandelbar, bei denen eine Vollnarkose nicht möglich ist.

 

Die Leistenbruchchirurgie hat in den letzten Jahren einen tiefen Wandel erfahren. Durch Entwicklung von gut verträglichen Kunststoffnetzen und endoskopischer Operations­verfahren haben sich eine Vielfalt an Möglichkeiten der sicheren und dauerhaften Beseiti­gung des Leistenbruches ergeben, die individuelle Belange des Patienten viel besser berücksichtigen lassen. Wir beschreiben im folgenden die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

 

2.1.           konventionell (mit Schnitt)

 

Prinzip jeder Operation beim Leistenbruch ist zunächst die Rückverlagerung des Bruchinhaltes in die Bauchhöhle und die Entfernung des überschüssigen Bauchfellsacks, der sich durch die Bruchlücke vorgewölbt hat. Danach kommt die Verstärkung der Bauchwand und die Einengung der Bruchlücke im Leistenkanal. Bei den offenen Operationen wird dies über einen ca. 8-12cm langen Schnitt oberhalb der Leistenbeuge durchgeführt.

 

2.1.1.     Verstärkung der Bruchlücke mit Kunststoffnetz

 

Bei der Operation nach Lichtenstein wird die Verstärkung des Leistenkanals mit dem Einbau eines Kunststoffnetzes erreicht. Dazu erfolgt der Zuschnitt eines ca. 7x11 cm großen Kunststoffnetzes, dabei wird das Netz so präpariert, dass es den Samenstrang wie einen Schal umgreifen kann. Dann wird das Netz auf den Leistenkanalboden festgenäht und der Samenstrang wie beschrieben umhüllt. Damit ist der in­nere Leistenring auf die Größe der Netzlücke eingeengt und der Boden verstärkt. Die Kunststoffnetze sind aus verschiedenen Materialien hergestellt, die sich entweder gar nicht auflösen oder teilweise auflösen und dadurch über die Hälfte ihrer ursprüng­lichen Dicke verlieren. Auf jeden Fall bleibt ein dauerhaftes Gerüst aus Fremdmaterial, dass das Gewebe verstärkt.

 

2.1.2.     Nahtverschluss der Bruchlücke – Operation nach Shouldice

 

Diese Operation wird mittlerweile nur bei besonders jungen Erwachsenen durchgeführt oder wenn Netze aus verschiedenen Gründen nicht eingesetzt werden können. Das Prinzip der Operation besteht darin, den Boden des Leistenkanals zu eröffnen und ihn dann so zu vernähen, dass es zu einer Raffung und Doppelung kommt. Dadurch wird der Boden mit körpereigenem Gewebe stabilisiert. Eine dritte und vierte Schicht, die den Boden bedecken soll, wird dann aus den Muskeln der Umgebung gebildet. Bei festem Bindegewebe zeigt diese Operationstechnik gute Ergebnisse, hat aber immer noch eine höhere Rate an Rückfällen (Rezidive), verglichen mit den Netzverfahren.

 

2.2.           Endoskopische Leistenbruchversorgung

 

Alle endoskopischen Techniken benötigen zum Verschluss der Bruchlücken ein Kunst­stoffnetz. Von den möglichen Techniken der Netzeinlage bevorzugen wir die so genannte TEP (Totale Extraperitoneale Polypropylennetzimplantation). Bei dieser Technik wird das Netz unter den Leistenkanalboden ausgebreitet, die Operation bleibt außerhalb der Bauchhöhle.

 

 

Welche Risiken bergen die Leistenbruchoperationen?

 

Wie bei allen Operationen gibt es auch bei den o.g. Verfahren Komplikations-möglichkeiten und Folgeerscheinungen. Blutergüsse, Wundwasseransammlungen und Schwellungen im Operationsgebiet sind an erster Stelle zu nennen. Meist lassen sich diese durch lokale Kühlung und abschwellende Maßnahmen beherrschen. Nur selten muss ein Bluterguss oder eine große und hartnäckige Wundwasseransammlung operativ ausgeräumt werden. Ein gewisses Taubheitsgefühl in einem kleinen Bezirk der Haut an der Oberschenkelin­nenseite oder Leiste ist meist Folge einer Nervendurchtrennung der Hautnerven im Opera­tionsgebiet und nach einer kurzen Adaptationszeit nicht weiter störend. Wund­infektionen, Thrombose und Embolie sind seltene Ereignisse. Es kann nach der Operation zu Nerven­reizungen kommen. Diese erfordern gelegentlich die separate operative Durchtrennung des betroffenen Nervs. Bei Implantation von Kunststoffnetzen können diese über einen längeren Zeitraum (bis zu einem Jahr) Missempfindungen im Operationsgebiet auslösen.

 

 

 

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